Der Waldriese


**Liam und die geheime Lichterwelt: Episode 3**
**Der Waldriese**

Der Abend schlug leise seine Schatten über den Wald, während Liam und Nova dem schmalen Pfad folgten, der zu einem geheimen Ort voller Glanz und Licht führen sollte. Plötzlich wurden sie von einem dumpfen Geräusch gestoppt. Vor ihnen stand ein gewaltiger Waldriese, dessen mächtige Arme einen Baumstamm festhielten, der den Weg blockierte. Sein Blick war trüb und seine Augen schimmerten nicht mehr wie die Sterne im Nachthimmel.

„Was wollt ihr hier?“ brummte er mit einer Stimme, die wie das Knacken von Ästen klang. „Der Weg ist gesperrt. Geht wieder heim.“

„Aber wir müssen weiter!“, rief Liam. „Da ist ein geheimnisvoller Ort, den wir erkunden müssen!“

Der Waldriese seufzte tief, und ein Schatten huschte über sein Gesicht. „Es gibt nichts mehr zu entdecken. Das Licht ist nicht für mich. Ich habe es vergessen.“

Nova fühlte ihren Herzschlag beschleunigen und trat vor. „Aber vielleicht kannst du uns helfen! Wenn du uns zeigst, wie wir dort hin kommen, wo das Licht funkelt, dann kommst du auch wieder in Berührung mit dem Licht!“

„Ich brauch nicht eure Hilfe!“ schnauzte der Riese, doch Liams und Novas Worte schienen wie ein sanfter Wind in seinem Herzen zu wehen. Er schaute nach unten und murmelte: „Was kann ich euch schon geben?“

Liam spürte, dass der Riese mehr brauchte als Worte – er benötigte Freundlichkeit. „Wir sind alle mal verloren“, flüsterte Liam, „aber wir können trotzdem einen Weg finden. Vielleicht können wir gemeinsam nach dem Licht suchen?“

Der Waldriese blickte von seinem Standort herunter. „Ihr versteht nicht. Es gibt nichts mehr für mich…“

„Doch“, rief Nova. „Es gibt das Licht in jedem von uns! Wenn du uns begleitest, wird es vielleicht auch deinem Herzen helfen, wieder zu leuchten!“

Ein Moment der Stille trat ein. Der Waldriese zögerte, seine breiten Schultern entglitten die schwere Last des Baumes, der den Pfad versperrte. „Ich… ich weiß nicht, ob ich das kann.“

„Probier es einfach“, ermutigte Liam. „Wir sind bei dir!“

Langsam, als würde er aus einem langen Schlaf erwachen, hob der Riese eine Hand und räumte sie zur Seite. Der Pfad war frei, und ein schwacher Schimmer erwachte hinter ihm. „Aber wenn ich verliere, was dann?“, fragte er ängstlich.

„Wenn wir gemeinsam verlieren, gewinnen wir Freundschaft und Hoffnung“, antwortete Nova mit einem Lächeln.

Der Riese senkte seinen Kopf und langsam bildete sich ein Licht in seinen Augen, das ihn unwiderstehlich leuchten ließ. „In Ordnung“, sagte er schließlich, „ich werde es versuchen.“

Und so traten Liam, Nova und der Waldriese gemeinsam in die schwach erleuchtete Welt ein, wo Farben und Formen zu tanzen schienen. Doch in den Tiefen des Waldes wartete eine neue Herausforderung.

Plötzlich erklang ein leises Flüstern von den Bäumen, und die Schatten um sie herum begannen zu leben. Was würde als Nächstes geschehen?


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